Zwei Monate nach der schriftlichen Approbationsprüfung halte ich nun endlich das Zeugnis in der Hand! Und bevor ich alles wichtige wieder vergesse, schreibe ich euch hier die wichtigsten Tipps zur Prüfungsvorbereitung:

1. E-Learning-App

Ich war eine der ersten Prüflinge, die von der neuen E-Learning-App profitieren konnte. Um die App benutzen zu können, müsst ihr Mitglied bei der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung sein. Für PIAs ist die Mitgliedschaft aber kostenlos! Neben der App bietet eine Mitgliedschaft in der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung auch andere Vorteile, inklusive der regelmäßigen Post über Neuigkeiten aus der Welt der Psychotherapie. Die App beinhaltet alte Prüfungsfragen, aufgeteilt nach den Prüfungsthemen Psychologische Grundlagen, Rahmenbedingungen, medizinische Grundlagen, pharmakologische Grundlagen, ICD-10, Verhaltenstherapie, Psychoanalytisch begründete Verfahren, weitere Verfahren, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und Leitlinien. Man kann auch alte Prüfungen kreuzen (in der Zeitvorgabe von 2 Stunden) und bekommt danach ein Feedback, welche Note man erzielt hätte. Auch halbe, viertel und dreiviertel Prüfungen sind möglich, wenn man mal weniger als 2 Stunden zur Verfügung hat. Mir gefällt an der App, dass sie so übersichtlich ist und den Lernfortschritt anzeigt. Außerdem rechnet die App nach Eingabe des Prüfungsdatums aus, wie viele Fragen man am Tag üben sollte, um gut vorbereitet zu sein. Sie ist auch mit einem Lernsystem verknüpft, sodass man die Fragen, die einem schwer fallen, häufiger angezeigt bekommt. Ich bin so vorgegangen, dass ich mich zu einem Themenbereich belesen habe (z.B. Pharmakologie) und danach die dazugehörigen Fragen geübt habe. Kurz vor der Prüfung habe ich dann die Prüfungen simuliert. Da in der App nicht alle Altklausuren hinterlegt sind, habe ich mir diese zusätzlich ausgedruckt und kurz vor der Prüfung auch gekreuzt.
Die Gründer der Lernapp veröffentlichen auch Videokurse und interessante Blogartikel zur Vorbereitung auf die Approbationsprüfung und andere Ausbildungs- und Fortbildungsrelevante Themen.

2. Das Repetitorium

Das Standardwerk zur Prüfungsvorbereitung stellt das Repetitorium dar. Auch ich habe damit gelernt und wie oben beschrieben abwechselnd darin gelesen und Altfragen gekreuzt. Der Vorteil des Repetitoriums ist, dass es sehr viel Wissen in kompakter Form enthält.

Update: 2022 ist eine Neuauflage des Repetitoriums erschienen, welches sich am aktuellen Gegenstandskatalog orientiert. Wenn ihr Prüfungen kreuzt, werdet ihr den Einfluss des neuen Gegenstandkatalogs merken: So nimmt beispielsweise die systemische Therapie durch die Anerkennung als Richtlinienverfahren einen immer größer werdenden Stellenwert in den Prüfungen ein. Diese Veränderungen finden sich auch in der Neuauflage des Repetitoriums.
Ich empfehle, auch den Gegenstandskatalog durchzuschauen und Themen und Begriffe, die wenig oder kaum bekannt sind, eigenhändig zu recherchieren.

3. Lernkartei-Prinzip

Zum Auswendiglernen der wichtigsten Themen (z.B. Medikamente) habe ich Anki, eine Lernkartei-Software, verwendet. Das Prinzip ähnelt dem klassischen Lernkartei-Prinzip, in welchem Karteikarten verschiedene Stufen durchlaufen und sich je nach Schwierigkeit die Abstände zur nächsten Abfrage vergrößern. Der Vorteil des Programms ist, dass man es mit allen Geräten verknüpfen und daher von überall aus lernen kann. Ich habe zum Beispiel immer auf dem Weg zur Arbeit damit gelernt. Die Karteikarten lassen sich auch herunterladen, sodass man kein Internet benötigt.

4. Podcasts

Falls ihr aus der Verhaltenstherapie kommt und wie ich Schwierigkeiten habt, innerhalb kurzer Zeit die psychodynamischen Themen zu verstehen, könnten euch eventuell Podcasts weiterhelfen. Es gibt zum Beispiel einen Podcast bei Spotify, der „Charakterneurosen“ heißt und vier Seminar-Folgen für PIAs enthält. Mir hat der Podcast geholfen, ein besseres Verständnis für psychodynamische Theorien zu entwickeln. Dennoch hatte ich in der schriftlichen Prüfung in diesem Bereich die meisten Fehler 😉
Eine Leserin hat mich außerdem auf den „Erdbeerfrösche und Teppichäpfel“ Podcast hingewiesen, welcher in die systemische Therapie einführt.

5. Prüfungssimulation

Um gut auf die Prüfungssituation eingestellt zu sein, empfiehlt es sich, möglichst realitätsnah die Prüfung zu simulieren. Das bedeutet, sich eine alte Prüfung auszudrucken, den Wecker auf zwei Stunden zu stellen, alle Hilfsmittel zu verbannen und die Antworten am Ende auf den Antwortbogen zu übertragen. Ich habe den Fehler gemacht, ohne den Antwortbogen zu üben und war dann in der Prüfung irritiert davon, die Antworten in die kleinen Kästchen zu schreiben. Das Landesprüfungsamt schickt neben der Einladung zur Prüfung noch Hinweise und einen exemplarischen Antwortbogen mit, den könnt ihr euch also kopieren und damit üben.

Was hat euch bei der Prüfungsvorbereitung geholfen? Habt ihr noch mehr Tipps oder Anmerkungen? Schreibt es mir gerne in die Kommentarspalten!